Art will save us! das versprechen Com & Com

Mocmoc Postkarte via

Mocmoc
Laut einer jüngst in Umlauf gekommenen Legende soll "vor langer Zeit, als die Menschen noch mit Zwergen und Elfen sprechen konnten", ein kleines pokémonartiges Fabelwesen namens Mocmoc durch die Opferung seines Horns das Städtchen Romanshorn am Bodensee vor einer drohenden Feuersbrunst gerettet haben. Ihm zu Ehren wurde 2003 von dem schweizer Künstlerduo Com&Com ein Standbild auf dem Bahnhofsplatz von Romanshorn errichtet und eine riesige Merchandising-Kampagne gestartet. 
Art will save us! So könnte die heilsversprechende Grundintention der künstlerischen Strategie lauten, die hinter diesem Projekt steht. Sie macht durch das Erfinden und gezielte Lancieren eines neuen Fake-Produktes mit samt  dem dazugehörigen Gründungsmythos die mythologisierenden Mechanismen der Werbewirtschaft transparent. 

Com&Com: Mocmoc (2003). Via

C-Files Tell Saga
Ähnlich verhält es sich mit dem in Manier eines Hollywood-Blockbusters aufgemachten Trailer zu "C-Files Tell Saga" (2000), der u.a. auf der Biennale in Venedig 2001 gezeigt wurde. Dieser kündigt in der bildgewaltigen Ästhetik von Mistery-, Crime-, Historien- und Science-Fiction-Serien einen Film über den Gründungsmythos der Schweiz und ihren Nationalhelden Wilhelm Tell an, der jedoch nie gedreht wurde. 
Auch hier geht es um das Unterlaufen der werbewirksamen Inszenierung von emotional aufgeladenen mythischern Mustern durch eine Verdichtung möglichst vieler dieser verheißungsvollen Topoi bis zur Unglaubwürdigkeit. Das ästhetische Erlebnis, das diese Bilder versprechen, kann somit in realita niemals eingelöst werden. Deshalb verzichtet das Künstlerduo direkt darauf und macht damit die metasprachliche Werbeblase als solche sichtbar. Unterstützung bekommen sie dabei übrigens von dem Künstler H. R. Giger, dessen biomechanoider Stil die Alien-Filme prägte.

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