Malerei, die sich geschliffen hat: Jonathan Saiz


Es gibt Malereien und es gibt die im wahrsten Sinne des Wortes brillanten Ölgemälde des amerikanischen Künstlers Jonathan Saiz. In seiner beeindruckenden Serie Alkahest zeigt er uns auf großformatigen Leinwänden die Welt durch einen Kristall, dessen komplexe geometrische Ecken und Kanten auch formgebend für seine Arbeiten sind.
Wer schon einmal durch einen Edelstein hindurchgeschaut hat, der weiß, dass sich die Perspektive auf den Betrachtungsgegenstand immer wieder verändert und sich die einzelnen Elemente im Raum biegen, unscharf werden oder in schemenhafte Bruchstücke zersplittern. Diesen kristallinen Eigenschaften trägt der Künstler durch einen subtilen Farbauftrag und eine ausgeklügelte Komposition Rechnung. Auf diese Weise nimmt er dem Dargestellten die Beliebigkeit und eröffnet zugleich neue Sichtweisen und Anknüpfungspunkte an die perspektivisch verzerrten Motivfragmente von den Prunkräumen in Versailles über monumentale Herrscherstatuen bis hin zu weiteren kulturhistorischen Zeugnissen menschlichen Strebens nach Inbesitznahme, bei denen nicht selten auch wertvolle Klunker eine große Rolle gespielt haben. Der Kristall zerlegt die sperrige Masse der bekannten Welt mit ihren verkrusteten Gesetzmäßigkeiten und fügt sie innerhalb seiner transparenten Grenzen als Bricollage vielschichtiger Möglichkeiten neu zusammen. Damit fungiert er für Saiz auf malerischer Ebene wie das alchemistische Universal-Lösungsmittel Alkahest, das angeblich in der Lage sein soll, jede Substanz aufzulösen. 
Mal abgesehen von der, den aktuellen Geometrietrend aufgreifenden, Konzeptidee und der Tatsache, dass ich stolze Besitzerin einer eigenen Kristallsammlung bin, weil mich diese Steine auch schon immer wahnsinnig fasziniert haben, finde ich diese Malerein einfach auch technisch grandios umgesetzt. 

Titel des obigen Bildes: Centripetal Force and the Evening (2012) via

Jonathan Saiz: Daybreak or Reversal (2011) via
Jonathan Saiz: Gain Ground or the Rumble (2012) via

Jonathan Saiz: Silence and Into the Wilderness (2012 ) via

Jonathan Saiz: Flying or Falling (2012) via

Jonathan Saiz: Onward and Wanting (2012) via

Jonathan Saiz: Out of Reach or Underneath (2012) via


Jonathan Saiz: Pulling Back and Tipping Forward (2012) via

9 comments:

  1. die Bilder sehen richtig klasse aus :)

    freue mich, wenn du auch mal meinen Blog besuchst!

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  2. wow, die Farben sind klasse und die Wirkung der Bilder sowieso :)

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  3. Diese Gemälde gefallen mir auch sehr, sehr gut! Ich habe gerne klare Kompositionen und die sind durch die Kristalle gegeben und darin zersplittert alles. Wer genauer hinsieht, erkennt aber auch zwischen den einzelnen Fragementen den Zusammenhang. Weisst du, wie gross so ein Gemälde ist? Ich stelle mir das besonders ab einer gewissen Grösse unglaublich vor, davor zu stehen.
    Das Bild "Out of Reach or Underneath" hat mich sofort an ein sehr bekanntes Gemälde aus dem 19. Jh. erinnert. Es stellt Napoléon Bonaparte auf einem sich aufbäumenden Pferd dar und das zentrale Fragment in dem Bild von Saiz scheint mir dem sehr ähnlich zu sein.

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    1. Ja genau, da sind viele Zitate kunstgeschichtlicher Motive versteckt, auch griechische Skulpturen und eben vieles, was mit menschlichen Herrschaftsambitionen zu tun hat. Die Bilder sind auf jeden Fall überlebensgroß. Auf der Homepage des Künstlers findest du Inch-Angaben und auch ein Bild, wo er vor seinen Arbeiten steht, dann haste einen Vergleich :-)

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  4. Grad durch Zufall auf deinem Blog gelandet und gleich der erste Post den ich von dir sehe fasziniert mich ungemein.
    Das sind wirklich unglaublich tolle Bilder (mitunter das schönste, was ich seit langem gesehen habe). Danke fürs finden und weiterleiten. ;-)

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  5. Ich wünschte, ich könnte das auch. Aber das wird so ungefähr niemals passieren! Aber wirklich schöner und inspirierender Post, danke dafür :)

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  6. Unglaublich toller Künstler! Du findest ja echt tolle Schätze, ich werd jetzt öfter hier vorbeischauen!!

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  7. das sind unglaublich tolle künstler, eine super inspiration :)

    xx

    Miss-Peacock

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