"Gute Aussichten" in den Deichtorhallen und Preisträger Fabian Rook im Interview

Der Januar sprintet seinem Ende entgegen, aber das Beste kommt bekanntlich zum Schluss. So startet am Samstag die Ausstellung Gute Aussichten - Junge Deutsche Fotografie 2012/13 in den Hamburger Deichtorhallen. Der gleichnamige Wettbewerb wurde 2004 ins Leben gerufen, um herausragenden AbsolventInnen des Fotografiestudiums die Möglichkeit zu geben, ihre Arbeiten einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Eine Jury wählte auch in diesem Durchgang aus über 100 Einsendungen sieben junge deutsche FotokünstlerInnen aus. Das breite Spektrum ihrer spannenden konzeptionellen und stilistischen Ansätze ist vom 26.01. bis zum 03.03.2013 im Haus der Photographie zu sehen. Unter den Preisträgern ist mit Fabian Rook auch ein Absolvent der Muthesius Kunsthochschule Kiel. Art Armada freut sich mit ihm und wollte natürlich genauer wissen, wie es ist, Deutschlands bedeutendsten Nachwuchspreise für zeitgenössische Fotokunst verliehen zu bekommen.

Henning Bode: Die Kinder des King Cotton, www.guteaussichten.org.

Susann Dietrich: Das Singen der Perlmutt-Zirpe, www.guteaussichten.org.

Fabian Rook: Desktop Evidence www.guteaussichten.org.


Interview mit Fabian Rook
Fabian Rook: Desktop Evidence via

Was hast du als erstes gemacht, nachdem du erfahren hast, dass du unter den Preisträgern bist? 
 Ich habe ein Bier getrunken und mich gefreut.

Wie würdest du deine Arbeit beschreiben?
 Auf den ersten Blick ist meine Arbeit eine klassische, fotografische Arbeit. Sieht man sich die Bilder allerdings genauer an, so fällt einem auf, dass sie Störungen und Ungenauigkeiten aufweisen. Diese Hinweise sind auf den Ursprung der Bilder zurück zu führen. Es handelt sich um Screenshots, die ich Google Streetview entnommen habe. Die Bilder habe ich so ausgewählt, dass sie vom Motiv und der Ästhetik an die Fotografien prominenter Dokumentarfotografen wie etwa Joel Sternfeld oder Stephen Shore erinnern. Ich zeige Bilder aus den nördlichen Grenzregionen Mexikos und aus den, vom Tsunami zerstörten, Küstengebieten Japans. Ein Unterschied zu einer klassischen dokumentarfotografischen Arbeit besteht also darin, dass ich nicht körperlich vor Ort war und die abgebildeten Orte niemals selbst besucht habe.
Ich stelle so die Frage nach der Autoren- und Zeugenschaft, also nach der Rolle des Fotografen. Ich habe die Bilder zwar ausgewählt, entstanden sind sie jedoch komplett automatisch vom Dach eines Autos aus. Ich war weder Herr über die eigentliche Bildproduktion, noch kann ich die vermittelnde Rolle eines Zeugen einnehmen, der tatsächlich vor Ort gewesen ist. Meine Zeugenschaft bezieht sich höchstens auf eine „Wirklichkeit zweiter Hand“, also auf eine mediale Welt, die sich zunehmend als Teil unserer Lebenswelt etabliert.
In einem dritten Teil meiner Arbeit dienen die Screenshots aus Google Streetview nur noch als Grundlage. Sie sind die Bühne für eine fiktive Dokumentation aus den aktuellen Krisengebieten des Nahen und Mittleren Ostens. So habe ich den Streetviewbildern, die eigentlich die Kanarischen Inseln oder andere „friedliche“ Orte zeigen, Bildelemente hinzugefügt. Dies können die Rauchwolken eines Raketenangriffs oder auch nur der Turm einer Moschee im Hintergrund sein. Was „echt“ ist und was nicht, ist nicht zu erkennen. Die Bilder verlieren ihren topografischen Bezug und thematisieren das Machtpotential eines fotografischen Generalarchivs, welches Google anzufertigen versucht.

Fabian Rook: Desktop Evidence via

Mit welchen Themen beschäftigst du dich in deinen Fotografien?
 Vieles habe ich ja zuvor schon beschrieben. Hauptsächlich sind es Themen, die sich um die Funktion der Fotografie und den Einfluss digitaler Techniken auf die Fotografie beziehen. Ich versuche zu verstehen, wie sich die Bedeutung fotografischer Bilder verändert.

Was beeinflusst dich, woher bekommst du deine Ideen?
 Vieles. Da gibt es nichts Bestimmtes. Augen auf und gut. Aber natürlich hat mich das Studium an der Muthesius schon sehr beeinflusst.

Was steht für dich in Zukunft an?
 Ich hoffe natürlich einen Weg zu finden, von meiner Kunst leben und neue Arbeiten und Ausstellungen realisieren zu können.

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Wie ist deine Einstellung zu zeitgenössischer (deutscher) Fotokunst?
 Das ist schwer zu sagen. Vor allem dann, wenn man es auf aktuelle deutsche Fotokunst beschränkt. Die Arbeiten bei „gute aussichten“ sind zum Bespiel alle sehr unterschiedlich und alle sind beachtenswert.
Allgemein kann ich nur sagen, dass ich manchmal von zu selbstbezogenen, austauschbaren oder unkritischen Arbeiten gelangweilt bin. Ein bisschen mehr Meinung wäre ab und zu schön. Außerdem stören mich Arbeiten, die an den Haaren herbei gezogen wirken, oder lediglich als Bebilderung eines theoretischen Gedankens dienen, den man auch einfach hätte aufschreiben können.
Ich bewundere aber auch Leute, denen alles egal ist, die einfach machen wonach ihnen ist und die eins sind mit ihrer Arbeit. Aber es ist natürlich immer leicht zu sagen, was einen stört. Es anders zu machen dagegen kann ganz schön schwierig sein.

Wer ist dein Lieblingskünstler?
 Die Frage überfordert mich ein wenig. Da gibt es eine Menge guter Künstler, aber niemanden, den ich als Lieblingskünstler bezeichnen würde. Klassiker wie Sternfeld oder Shore kann ich mir aber immer wieder angucken.

Erzähl uns etwas, das wir nicht wissen, aber wissen sollten.
 Heutzutage weiß doch jeder alles. Man kann alles googeln, oder?

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