Joe Sinness zeichnet rätselhafte Stilleben



Heute inspizieren wir die faszinierenden Illustrationen von Joe Sinness. Seine minimalistisch angelegten Farbstiftzeichnungen sind ja eigentlich eher untypisch für meinen Geschmack und das gilt auch für brave Stillleben allgemein. Aber hinter den unscheinbar daherkommenden Alltagsmotiven stecken - ihr ahnt es sicher schon - nicht nur viel Aufwand und technische Raffinesse, sondern auch ein paar indirekte Details, die ein genaueres Hinsehen mehr als verdient haben. 
Zuerst springen natürlich diese amorphen Gebilde mit ihrer metallisch-reflektierenden Oberfläche ins Auge und künden laut und schrill von einer exzessiven Lust des Künstlers am Experimentieren mit glänzenden Materialien und geschwungenen Formen. Etwas bescheidener geht es demgegenüber bei den liebevoll drapierten Blumenarrangements zu, die nebst kitschigen Glasbehältnissen und aufgrund ihrer schrecklichen Künstlichkeit dennoch alle Blicke auf sich ziehen. Durch das ansonsten leere Papier kontextlos und isoliert, laden diese sorgsam inszenierten Tableaus mit Porträts von Ikonen aus der Schwulenszene allesamt dazu ein, die bewusst gelegte Spur der Unstimmigkeiten durch assoziative Sinnkonstruktionen zu überwinden. Ich wünsche viel Vergnügen.













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