Milena Kling und die Magie des oxidierten Glases


Alles begann mit einem irren Zufall. Für ihre Diplomarbeit an der Universität der Künste in Berlin besuchte Milena Kling eine Glashütte, um dort mit Materialien zu experimentieren, die sich im erhitzten Glas abdrücken lassen und der glatten Oberfläche eine neue Beschaffenheit verleihen. Dabei entwickelte sie nicht nur innovative Verfahren, um diesem faszinierenden Traditionswerkstoff eine moderne Formensprache zu verpassen, sondern entdeckte auch eine neue Technik, um Glas zu färben. Die eindrucksvollen Ergebnisse ihrer Forschung präsentierte die Nachwuchsdesignerin letzte Woche unter dem Titel The Presence Of Absence auf der IMM Cologne, wo ich ganz begeistert war von den wundervollen Originalen und ihrer spannenden Geschichte. 
Aber der Reihe nach. Im Zentrum von Milena Klings Abschlussarbeit stand ihr Interesse an der Eigenschaft von Glas, in flüssigem Zustand Spuren aufnehmen und diese nach dem Aushärten speichern zu können. Deshalb besuchte sie eine Glashütte, um dort mit dem Einwirken von Formen aus Holz oder feuerfestem Gewebe sowie mit Metallgittern und perforierten Blechen auf die auf 1.200°C erhitzte Glasmasse zu experimentieren. Als Nebenprodukt fand sie dabei durch Zufall bläulich eingefärbte Glassplitter, die es eigentlich gar nicht geben dürfte. Zumindest dann nicht, wenn ausschließlich mit transparenten Glasmassen gearbeitet wird. Diese Verfärbungen waren das Ergebnis einer Oxidation, die durch einen winzigen Eisenspan im Glas hervorgerufen wurden. Das brachte die berliner Produktdesignerin auf die Idee, neben ihren Strukturexperimenten gezielt mit Materialeinschlüssen zu arbeiten, um hauchdünne Farbschichten in der transparenten Glasmasse hervorzubringen. 
Damit ist es ihr ganz nebenbei gelungen, eine neue Variation des streng geheimen Glasfärbens durch Kupferoxide zu entwickeln und auf diese Weise einzigartige Glasobjekte herzustellen. Sie alle sind versehen mit ganz eigenwilligen und geheimnisvollen Oberflächenstrukturen, die die Phantasie anregen und in wundervollen Farbfacetten von tiefrot bis honiggelb schimmeren. Die Spuren, die sich durch die unterschiedlichen Materialschablonen im Glas eingeprägt haben, erinnern an textile Muster, an denen sogar Nahtstellen erkennbar sind. Andere wiederum ähneln organisch gewachsenen Formen oder sonderbaren Zeichen, die fast schon etwas Technisches haben. Aus künstlerischer Perspektive finde ich die Arbeiten am interessantesten, bei denen die formgebenden Elemente nicht entfernt wurden und die Objekte aussehen, als wären sie noch im Werden erstarrt. In den Verkauf gelangen aber nur die Produkte, bei denen sämtliche Herstellungsmittel vollständig entfernt wurden. Zum Glück haben sie faszinierende Spuren hinterlassen!



 Raw Series




















 Ruby Series








2 comments:

  1. wow, unglaubliche fotos, aber toll! und super interessant. (:

    ReplyDelete
  2. Ich habe eine Schwäche für Glas und finde ihre Arbeiten faszinierend! :)

    ReplyDelete