Nava Lubelskis Leinwände erzählen von roher Gewalt und aufopfernder Hingabe


Ruinierte Leinwände mit Löchern und ungewollten Flecken sind für die meisten Künstler der blanke Horror. Was andere jedoch tunlichst vermeiden wollen, macht Nava Lubelskis zum Thema. In ihrer Serie Thread on Canvas untersucht die russische Künstlerin die Widersprüche zwischen dem Impuls zu zerstören und den Zwang zu flicken. 
Der Herstellungsprozess ihrer Arbeiten durchläuft dabei zwei Phasen. Zunächst beschädigt sie ihre Leinwände mit schnellen Handlungen, schneidet Löcher hinein, verschüttet Farbe darauf oder fügt Risse hinzu und lässt ihren Aggressionen dabei freien Lauf. Auf den Zerstörungswahn folgt die Phase der akribischen Reparation. Hier werden die verwüsteten Oberflächen in mühevoller Kleinarbeit restauriert und die kaputten Stellen durch kunstvolle Stickereien ausgebessert. Wie topografische Landmarken zeugen die Endprodukte von den Spuren, die menschliche Eingriffe in die Umwelt hinterlassen können.
Bemerkenswert ist außerdem, dass der sonst meist verborgene Raum hinter den Leinwänden durch die fragmentarisch gestopften Löcher teilweise sichtbar bleibt und durch das Schattenspiel der Fäden in das Kunstwerk integriert wird.

 








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